Die Welt ertrinkt in Angst.
In letzter Zeit höre ich immer wieder von Menschen in meinem Umfeld, dass sie Angst vor der Zukunft haben. Als würden wir nicht wirklich leben – nur überleben. Als wären wir irgendwie dazu gekommen, unserer Angst zu dienen, anstatt unserem Leben.
Es fühlt sich an, als hätten wir vergessen, wie man treibt. Nicht schwimmt – nur treibt. Stattdessen planschen wir alle hektisch herum, verbrauchen das letzte bisschen Energie … und gehen trotzdem unter.
Viele Menschen in meinem Umfeld sind Immigranten. So wie ich. Und wir sind alle irgendwie … ungebunden. Es gibt immer etwas mit Dokumenten, immer eine neue Sprache, mit der man sich auseinandersetzen muss, immer neue neuronale Pfade, die sich so schnell bilden, dass mein Gehirn buchstäblich das Gefühl hat, zu zerbrechen.
Soll ich eine neue Tasse kaufen? So eine kleine Frage. Aber für jemanden, der einmal 30 Minuten Zeit hatte, sein Leben zu packen und zu gehen – ist sie überhaupt nicht klein. So viele Dinge, die ich geliebt habe, existieren jetzt nur noch als Erinnerungen.
Menschen, die in ihrem eigenen Tempo, zu ihren eigenen Bedingungen umgezogen sind – die haben Glück. Aber selbst sie kennen das Gefühl, kein richtiges Zuhause zu haben. Immer in der Frage zu leben: Was kommt als Nächstes?
Und dann ist da noch die Arbeit. Etwas in einem neuen Land aufzubauen, in einer fremden Sprache, mit einem Akzent, den die Leute immer wieder anmerken müssen. Ständig.
Geldgedanken, die nie ganz verstummen – man verdient genug, technisch gesehen, aber es fühlt sich nie wirklich genug an.
Was ist mit morgen? Was ist mit morgen? Was ist mit morgen?
Eine ganze Generation über Bord geworfen, die versucht, sich ans Schwimmen zu erinnern. Keine Schwimmwesten. Keine Ahnung, wo das Ufer ist. Und je mehr wir strampeln, desto mehr übernimmt die Panik.
Aber hier ist die Sache – du ertrinkst nicht, wenn du ruhig bist. Ein entspannter Körper schwimmt. Die Physik … regelt das einfach. Du atmest, du hörst auf zu kämpfen, und du bleibst oben.
Das haben wir nur vergessen. Ich habe das vergessen.
Ich habe vergessen, wie man aufhört. Ich habe vergessen, wie man atmet. Ich habe vergessen, wie man eine Welle reitet, anstatt gegen sie anzukämpfen.
Ich weiß nicht, wie ich sonst erklären soll, was in mir vorgeht. Das sind die einzigen Worte, die ich dafür habe.
Man kann sich nicht mitten in der Panik retten. Man kann den Ausweg nicht sehen, wenn man mitten im Ertrinken ist. Aber genau das brauchen so viele von uns gerade.
Wir haben die Fähigkeit verloren, einfach … innezuhalten. Wir haben vergessen, wie man loslässt.
Vielleicht habe ich deshalb in letzter Zeit meine Prinzessinnenringe nicht abgenommen.
Sie erinnern mich daran, dass ich schwimmen kann. Dass wir das alle können – es ist in uns eingebaut. Wir wurden damit geboren.
Wir müssen nur ruhig werden. Atmen. Und vertrauen ...
